Das Projekt Streetworx entstand 2015 aus einer Initiative des Präventionsrates der Stadt Mühlheim. Es wurde durch den Verein Zugpferd e.V. entwickelt und wird durch ihn konzeptionell begleitet und fortgeschrieben.

Die Arbeit von Streetworx findet vor allem im öffentlichen Raum, auf Straßen und Plätzen statt oder besetzt Nischen, wo es für die Bedürfnisse der Jugendlichen keine Angebote gibt.

In einer Stadt mit großer kultureller Vielfalt, wie in Mühlheim, ist es wichtig, diese in der Arbeit zu berücksichtigen. Zwischen den Jugendlichen lassen sich, unabhängig von Herkunft oder kultureller Prägung, immer wieder Gemeinsamkeiten entdecken. Die kommunikative Aufgabe von Streetwork ist es, diese Gemeinsamkeiten zu suchen, aufzuzeigen und eine Verständigung zu ermöglichen.

Die Jugendlichen werden mit ihren Bedürfnissen und Interessen als Experten für sich und ihre Lebenswelt gesehen. Unsere Streetworker sind stets nur Gäste in ihrem Lebensraum.

Die Kontaktaufnahme, Dauer und Intensität werden von den Jugendlichen im Rahmen der Angebote bestimmt. Die Streetworker unterbreiten dabei wiederkehrende Kontaktangebote.

Die Angebote stehen grundsätzlich allen Jugendlichen offen. Wertschätzung, Respekt und Akzeptanz sind eine wichtige Basis für die Beziehungsgestaltung. Mit dem Angebot möchte der Verein Zugpferd e.V. Jugendliche erreichen, die von den sontigen Angebote für Jugendliche nicht oder nicht mehr erreicht werden. 

Menschliche Zuwendung und professionelles pädagogisches Handeln sind bei der aufsuchenden Jugendsozialarbeit die wichtigsten Kriterien, die die Grundlage für eine kontinuierliche und gezielte Arbeit bilden.

Jahresbericht 2019


Das Streetmobil

Der mobile Treff in der aufsuchenden Jugendarbeit

Die wichtigste Anlaufstelle für unsere Arbeit ist das Streetmobil, das wir seit 2017 betreiben. Es ist ein sogenanntes Tiny House, das der Verein Zugpferd e.V. mit Hilfe der Stiftung Miteinander Leben des Kreises Offenbach und Spenden der Mühlheimer Bevölkerung beschaffen konnten. Es verfügt über einen Holzofen, verfügt über Internet und Strom und wurde von den Jugendlichen selbst gestaltet. Es ist ausgestattet mit einer Markise Sitzgelegenheit innen und außen. Wir setzen das Streetmobil zu vielen Anlässen ein und können es modular zu Sport-, Grill- oder Chillmobil nutzen.

Von Beginn an hat es bei der Mühlheimer Bevölkerung und vor allem bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

An drei Tagen der Woche fährt es verschiedene Punkte in der Stadt Mühlheim an. Der Verein Zugpferd ergänzt und erweitert somit das Angebot für Jugendliche in der Stadt Mühlheim.


Mitternachtssport in der Sporthalle Dietesheim

Schon seit längerem war ein Sportangebot für Jugendliche in Mühlheim geplant. Doch nun ist es endlich geschafft. Einmal im Monat wird freitags abends von 22 bis 24 Uhr gemeinsam Sport getrieben. Zusammen mit dem Team des JuZ bieten wir den Jugendlichen die Möglichkeit sich mal so richtig auszutoben. Dafür stellt uns die Stadt die Sporthalle in Dietesheim zur Verfügung. Was gemacht wird bestimmen die Jugendlichen selbst. Wir unterstützen mit Bällen, Leibchen oder stellen den Schiedsrichter. Nachdem wir beim ersten Termin im Oktober noch mit 5 Jugendlichen gestartet waren, hatte es sich im November und Dezember schon besser herumgesprochen und es waren jeweils 15-18 Jugendliche da und die Zeit wurde voll ausgeschöpft. Wir freuen uns schon auf die nächsten Termine.


Trainingskurs zur Verbesserung der Impuls- und Selbstkontrolle

Kooperationsprojekt Die Schulsozialarbeiterin der Friedrich-Ebert Schule und der Streetworker des Vereins.

Die Schulsozialarbeiterin der Friedrich-Ebert-Schule und der Streetworker des Vereins Zugpferd e.V. führen seit dem  Schuljahr 2015/16 einmal wöchentlich ein Trainingskurs zur Verbesserung der Impuls- und Selbstkontrolle durch. Dies umfasst jeweils eine Doppelstunde und wird für Schüler aus der 6. Klasse angewandt. Die teilnehmenden Schüler fielen zuvor durch ihre Gewaltbereitschaft, Manipulation und Erpressung von Mitschülern, respektlosen Umgang mit Schülern und Lehrern und dauerhaften konfliktreichen Verhalten auf. Nachdem mehrere Gespräche mit den Jugendlichen, Eltern und Lehrern nicht zur gewünschten Verhaltensänderung geführt haben, entwickelte das Streetworkerteam des Vereins Zugpferd e.V. gemeinsam mit der Schulsozialarbeiterin dieses Projekt, um mit den Schülern intensiv an ihrem Verhalten zu arbeiten. Ziel ist es, dass sich die Schüler mit ihrer eigenen Gewalt- bzw. Konfliktbereitschaft auseinanderzusetzen, gemeinsam alternative Verhaltensweisen zu entwickeln und diese neuen Konfliktlösungsstrategien unter „realen“ Bedingungen zu trainieren und zu verfestigen.

In dem Projekt setzen sich die Jungen mit verschiedenen Faktoren der Konfliktbearbeitung auseinander. Warum bin ich hier? Was ist bisher passiert?  Es soll Motivation zur Veränderung wecken durch Fragen wie: Was ist, wenn ich so weitermache wie bisher? (Negative Zukunftsspirale) Sich gegenseitig kennenlernen/vorstellen. Eigene Stärken entdecken. Zielvorstellung entwickeln: Was will ich in Zukunft erreichen? (Positive Zukunftsspirale) Wie kann ich das schaffen? Was brauche ich dazu? Analyse: Wie komme ich überhaupt in konfliktreiche Situationen? Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper: Was passiert in mir, wenn ich wütend bin? Was macht mich wütend? (Wut-Palme) Rollenspiele zur Verinnerlichung wie Konflikte entstehen (Ey, was guckst du?) Versuchen Konflikte zu verstehen: Wie schaukelt sich ein Konflikt hoch? (Statuswippe) Wie gerate ich in Konflikte, auch wenn ich es vielleicht gar nicht will? (Magnetfeld) Was kann ich tun, damit ich nicht so schnell provoziert werden kann?


Kochprojekt

Junk-Food – och Nöö !!!

Es ist sehr auffällig, dass viele Jugendliche, die uns am Streetmobil besuchen, ihren Hunger mit Chips, Süßwaren oder Wurstbrötchen aus dem nahen Supermarkt stillen. Um dem Thema „einfache, aber gesunde Ernährung“ einen Platz zu geben, haben wir einen monatlichen „Kochtag“ am Wagen eingeführt. Jeden letzten Mittwoch im Monat wird gemeinsam geschnippelt, Obstteller angerichtet, Salate zubereitet, eine leckere Suppe gekocht oder gegrillt. Darüber hinaus gibt es vierteljährlich einen Kochtermin im Kontaktwerk, wo wir, zusammen mit den Hobbyköchen Dirk und Janine, ein richtiges Menü zaubern. Dabei wird darauf geachtet, möglichst nur regionale, saisonale Produkte zu verwenden. Absolutes Highlight sind dabei die selbstgemachten, gefüllten Teigtaschen und natürlich der Nachtisch, der bei keinem Kochevent fehlen darf.


Ferienangebote

Um das vorhandene Ferienprogramm der Stadt zu ergänzen bieten wir seit den Sommerferien 2018 in der dritten bis fünften Ferienwoche verschiedene Aktivitäten an, bei der die Erkundung der Mühlheimer Umgebung mit dem Rad im Vordergrund steht. Zweimal pro Woche bieten wir Ausflüge an, die mit dem Fahrrad zu bewältigen sind. Diese Ausflüge dienen auch als Anregung für eine individuelle Freizeitgestaltung mit Freunden oder der Familie. Unsere Angebote richteten sich zum einen an Kinder und Jugendliche aus Mühlheim, zum anderen insbesondere auch an die Kinder von Geflüchteten. Für die Gruppen ging es ins Lämmerspieler Schwimmbad, die Fasanerie in Klein-Auheim und das Heinrich-Fischer-Bad in Hanau an. Wir fuhren Tretboot auf der Kinzig an und übernachteten als besonderes Highlight in Annis Garten mit Lagerfeuer und Nachtwanderung.

An den Ausflügen nahmen im Jahr 2018 rund 60 Kinder und Jugendliche teil Im Jahr 2019 wieder ein ähnliches Programm an. Zu Ausflügen im Jahr 2019, in die Fasanerie, das Heinrich-Fischer-Bad, Tretboot fahren, Übernachtung im Garten und die Märchenwelt in Hanau nahmen sogar knapp 80 Kindern und Jugendlichen teil. Auch für die Sommerfreien 2020 werden wir wieder verschiedene Angebote vorbreiten und freuen uns schon darauf. Zusätzlich haben wir mit den Jugendlichen 2019 einen Versuch gestartet am Dietesheimer Mainufer ein kleines Ferienkiosk für Radfahrer und Fußgänger zu organisieren. Das kam bei den Jugendlichen gut an und soll 2020 um ein paar Tage erweitert werden.


Fahrradwerkstatt

Wir haben jeden Donnerstag von 14:30 bis 17:30 Uhr geöffnet.  Willkommen sind alle, die ihr Fahrrad reparieren oder anderen bei der Reparatur helfen wollen. Werkzeug ist vorhanden und auch das eine oder andere Rad zum Ausschlachten, denn ein kaputtes Rad bedeutet nicht gleich, dass gar nichts mehr zu gebrauchen ist. Natürlich bekommen alle, die nicht mit der Materie vertraut sind,  geholfen.

Mit etwas Glück können Menschen, die noch kein eigenes Fahrrad besitzen hier eines erhalten, denn zum Glück gibt es immer wieder Menschen, die ein Fahrrad ausrangieren  und dabei an uns denken.


Schwimmkurs mit Kindern von Geflüchteten

Die Arbeit der Streetworker des Vereins umfasst auch die Arbeit mit Kinder und Jugendliche aus den örtlichen Unterkünften für Geflüchtete. Auf vielfachen Wunsch der Kinder von Geflüchteten machten wir auch einen Ausflug ins Mühlheimer Hallenbad. Dabei stellten wir fest, dass von viele von ihnen sich nur vier leidlich über Wasser halten konnten. Ein Schwimmkurs war notwendig. Wir kontaktierten den Vorstand der DLRG Mühlheim und schilderten unser Anliegen. Eine junge Frau des Vereins erklärte sich bereit, während der Sommerferien 2019, einmal in der Woche, mit einer Gruppe zu trainieren. Es meldeten sich vierzehn Teilnehmer, was natürlich viel zu viel war. Da wir keinem absagen mochten, durften zum ersten Termin alle mitkommen und es fand sich dann auch eine Lösung. Wir teilten die Teilnehmer in drei Gruppen ein. Jenny von der DLRG machte professionellen Schwimmunterricht mit einer Gruppe von Schwimmanfängern, während Christoph mit den vier „Schwimmern“ Ausdauertraining machte und Anni die Wassergewöhnung der Kleinsten übernahm. Alle waren mit Begeisterung bei der Sache und machten große Fortschritte. Im September 2019 konnten zunächst fünf Jungs stolz ihr Seepferdchen Abzeichen präsentieren.

Ein weiteres, wöchentlich stattfindendes Schwimmtraining mit den Mädchen der Gruppe verspricht, dass auch diese bald das Abzeichen erwerben werden. Dann freut sich schon die nächste Kleingruppe auf regelmäßiges Training.


Das Projekt 16+

Neben der aufsuchenden Jugendarbeit bieten wir eine Anzahl von Angebote und Projekte durch. Eine 2016 durch den Verein durchgeführte Sozialraumanalyse hat gezeigt, dass der Bedarf nach einem öffentlichen Raum, wo man sich auch mal abends treffen kann, bei den Mühlheimer Jugendlichen sehr groß ist. Daher entwickelte der Verein Zugpferd e.V. im April 2017 das Projekt 16+.

Seither läuft der offene Jugendtreff einmal im Monat freitags zwischen 19:00 und 23:00 in den Räumen des Jugendzentrum. Unsere Streetworker bieten außerhalb der Öffnungszeiten des städtischen Jugendzentrums ein offenes Abendangebot mit Jugendlichen ab 16 Jahren. Die Jugendlichen können dann die Angebote des offenen Treffes, wie Billard, Tischkicker, Computer, Playstation oder den Ballspielraum nutzen. Viele Jugendliche nutzen es aber auch einfach nur zum Treffen oder spielen gemeinsam Gesellschafts- oder Kartenspiele.

Mittlerweile hat sich auch eine feste Gruppe von Jugendlichen gefunden, die sich regelmäßig um die Verpflegung kümmert. Sie gehen mit einem von uns einkaufen und bereiten Kleinigkeiten wie belegte Brötchen oder Sandwiches für die anderen Gäste zu.

Aufgrund der mittlerweile stabilen Teilnehmerzahl von mehr als 30 Jugendliche und eines erprobten Konzeptes sehen wir 16+ als großen Erfolg und das Angebot soll  im nächsten Jahr (2020) durch das Team des JUZ fortgeführt werden.